Wenn du ein Berufspraktiker bist bzw. eine Ausbildung im handwerklichen oder technischen Bereich gemacht hast, dann weißt du, dass es die Aufstiegsfortbildung zum Meister gibt. Aber hast du gewusst, dass es sowohl einen Handwerksmeister als auch den Industriemeister gibt? Wenn ja, weißt du welcher der beiden Abschlüsse der Bessere ist? In diesem Artikel möchte ich dir die Fragen beantworten. Vermutlich wird allerdings nicht das herauskommen, was du dir vorgestellt hast. Oder vielleicht doch? Lass dich einfach überraschen und schau dir den Artikel bis zu Schluss an.

Wer kann Industriemeister werden?

Der Industriemeister ist vor allem jenen bekannt, die eine Ausbildung im industriellen Bereich gemacht haben. Dazu gehören beispielsweise Mechatroniker oder Industriemechaniker. Aber auch Ausbildungsberufe wie Werkzeugmacher oder Feinwerkmechaniker, können die Aufstiegsfortbildung zum Industriemeister machen. Es gibt übrigens nicht den Industriemeister, sondern verschiedene Fachrichtungen wie

  • Elektronik
  • Metall
  • Kunststoff
  • Mechatronik

Das heißt, dass eine abgeschlossene Berufsausbildung, die zum jeweiligen Fach passt eine Voraussetzung ist. Diese Ausbildung kann meist nur durch eine langjährige Erfahrung umgangen werden.

Neben der Berufsausbildung, brauchst du auch Berufserfahrung im jeweiligen Beruf.

Bei der IHK Ostbayern heißt es dazu:

 

An der Prüfung im Prüfungsteil “Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen” darf teilnehmen, wer Folgendes nachweist:

  1. Eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem anerkannten Ausbildungsberuf, der den Metallberufen zugeordnet werden kann, oder
  2. eine mit Erfolg abgelegte Abschlussprüfung in einem sonstigen anerkannten Ausbildungsberuf und danach eine mindestens zweijährige Berufspraxis, oder
  3. eine mindestens fünfjährige Berufspraxis.

 

Zur Prüfung im Prüfungsteil “Handlungsspezifische Qualifikationen” ist zuzulassen, wer Folgendes nachweist:

  1. Das Ablegen der Prüfung des Prüfungsteils “Fachrichtungsübergreifende Basisqualifikationen” und
  2. in den in oben genannten Fällen zu den dort genannten Praxiszeiten mindestens ein weiteres Jahr Berufspraxis.

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Wer kann Handwerksmeister werden?

Der Handwerksmeister wird nicht wie der Industriemeister von den Industrie- und Handelskammern, sondern von der Handwerkskammer angeboten. Wenn du Handwerksmeister werden möchtest, dann brauchst du im jeweiligen Bereich auch eine Berufsausbildung. Wie auch beim anderen Meister der Fall, kannst du diese Ausbildungszeit umgehen, wenn du entsprechend mehr Erfahrung nachweisen kannst.

Was du auch wissen solltest ist, dass du in aller Regel keine Erfahrung mehr brauchst. Du kannst gleich nach deiner Ausbildung deinen Meister machen. Früher brauchtest du dafür 3 Jahre Erfahrung. Ich halte es jedoch für sinnvoll erstmal etwas Erfahrung zu sammeln bevor du deinen Meister machst.

 

Was kannst du als Handwerksmeister machen?

Als Handwerksmeister kannst du ein Unternehmen gründen. Du brauchst für manche Handwerksbereiche unbedingt eine entsprechende Fortbildung und für andere ist es eine schöne Sache aber keine Pflicht.

Neben den Weg in das eigene Unternehmen, gibt es natürlich auch jenen zur Führungskraft. Du kannst als Meister natürlich auch Baustellen leiten, in der Planung arbeiten, Ausbildungsleiter sein etc. Es kommt ganz darauf an. Der Ausbilderschein ist übrigens ein Teil des Meisters und wird gebraucht, wenn du Lehrlinge ausbilden möchtest.

Auch in der Industrie sind Handwerksmeister zu finden, aber eben nicht so wie dies beim Industriemeister der Fall ist.

Zusammengefasst lässt sich also schreiben, dass der Handwerksmeister wie es der Name schon sagt, für das Handwerk da ist. Er soll meist einen Betrieb leiten, Führungsaufgaben und qualifiziere Fachaufgaben wahrnehmen.

Das ist natürlich auch schon der größte Unterschied und der entscheidende Faktor der für den Handwerksmeister spricht. Wenn du im Handwerk arbeiten möchtest. Dann ist diese Qualifikation die Richtige.

 

Was kannst du als Geprüfter Industriemeister IHK machen?

Als Geprüfter Industriemeister IHK wirst du in der Regel kein eigenes Unternehmen führen. Ein Industriemeister wird eher dazu ausgebildet um als Gruppen- oder Abteilungsleiter in einem Industriebetrieb zu arbeiten. Mit diesem Abschluss kannst du sogar Bereichsleiter werden.

Neben einer Führungslaufbahn, schlagen einige Meister auch eine Fachlaufbahn ein. So nehmen sie dann qualifizierte Aufgaben im Qualitätsmanagement, der Produktionsplanung oder einem anderen Bereich ein.

Du siehst schon, dass der Industriemeister auf einen völlig anderen Bereich abzielt als der Handwerksmeister. Darum bekommst du auch nicht die Antwort, welche du erwartet hast. Es ist nicht so, dass einer der beiden Abschlüsse besser oder schlechter ist. Nein, jeder dieser Qualifikationen zielt auf einen anderen Bereich ab.

 

Wo kann man mehr verdienen?

Eine Möglichkeit um die Wertigkeit festzustellen, kann das Einkommen sein, oder? Nein, geht meiner Ansicht nach leider auch nicht. Denn es gibt Industriemeister, die verdienen in einem Industrieunternehmen sehr gut. Da sind dann auch schon mal 5000 Euro brutto und mehr drinnen.

Allerdings führen viele Handwerksmeister ihr eigenes Unternehmen und da können GmbH-Geschäftsführer dann schon mal 10 000 Euro pro Monat verdienen. Andere Handwerksmeister verdienen dann wieder gerade mal so wenig, dass sie nicht von ihrer Arbeit leben können. Dazu solltest du meinen Artikel „Was verdient ein Handwerksmeister?“ anschauen.

Was ich dir hierbei noch mitgeben möchte ist, dass du bitte nicht nur auf das Einkommen achten solltest. Was bringt es dir wenn du sehr viel Geld verdienst, du im Job aber sehr unglücklich bist. Darum möchte ich ja auch keine Einschätzung darüber geben was besser oder schlechter ist. Was für einen der Traum ist, ist für den anderen ein Albtraum. Es kommt immer auf den Einzelfall an.

 

Kann ich mit beiden Meistern studieren?

Sowohl der Industriemeister als auch der Handwerksmeister finden sich bildungstechnisch gesehen auf derselben Ebene. Bezüglich des Qualifikationsrahmens ist das die Stufe 6, auf der sich auch der akademische Bachelor befindet.

Um die Frage zu beantworten: Ja, du kannst sowohl als Industriemeister als auch als Handwerksmeister an einer Fachhochschule oder Universität studieren. Aber tu dir bitte den Gefallen und frage dich, ob das sinnvoll ist. Zu studieren, nur um zu studieren, macht meist keinen Sinn. Auch nur wegen dem Geld zu studieren, ist meiner Meinung nach keine Lösung. Es ist oft viel besser, wenn du dir wichtige Zusatzqualifikationen aneignest und deine Stärken ausbaust. Verbindest du allerdings ein Ziel mit deinem Studium, dann solltest du es auf alle Fälle auch machen.

 


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Kann ich Meister Bafög beantragen?

Meister Bafög heißt jetzt nicht mehr so, sondern es heißt Aufstiegs-Bafög (da ist wohl wieder jemanden langweilig gewesen). Dabei handelt es sich sowohl beim Handwerksmeister als auch beim Industriemeister um eine Aufstiegsfortbildung. Das heißt wiederrum, dass du für jede der beiden Aufstiegsfortbildungen auch eine Förderung bekommen kannst. Diese wird zu einem Teil als zinsgünstiges Darlehen und zum anderen Teil als Zuschuss gewährt. Wenn du deine Fortbildung im Vollzeit machst, kannst du unter Umständen sogar Förderung zum Lebensunterhalt bekommen.

Wenn du eine solche Förderung nutzen möchtest, dann kann dich dazu natürlich die jeweilige Kammer oder der Bildungsträger bei dem du die Weiterbildung machen möchtest beraten.

 

Welche weiteren Wege gibt es nach dem Industriemeister?

Der Industriemeister ist die erste Stufe im Aufstiegsfortbildungssystem nach der Ausbildung. Wenn du noch eine Stufe nach Oben möchtest, dann kannst du beispielsweise den Geprüften Technischen Betriebswirt IHK machen. Du kannst aber auch den Betriebswirt bei der Handwerkskammer machen und erreichst dadurch das selbe Niveau.

Eine relativ neue Aufstiegsfortbildung, die sich auch auf dem Niveau der Betriebswirte befindet, ist der Technische Industriemanager IHK. Der Unterschied zum Technischen Betriebswirt ist, dass sich diese Weiterbildung mehr auf den technischen Bereich konzentriert.

Neben diesen weiteren Aufstiegsfortbildungen kannst du ein Studium ins Auge fassen oder dich fachlich sowie persönlich Mithilfe einer Anpassungsweiterbildung qualifizieren. Hier möchte ich den REFA-Techniker als Beispiel erwähnen, weil ich dir erst im letzten oder vorletzten Artikel vorgestellt habe und diese durchaus viele Möglichkeiten mit sich bringt. Zumindest dann, wenn man diese Richtung gehen möchte.

 

Welche Wege gibt es nach dem Handwerksmeister?

Viele Handwerksmeister eröffnen einen eigenen Betrieb oder werden Führungskraft. Je weiter du aufsteigst, desto wichtiger werden dann auch Kenntnisse in BWL. Diese kannst du durch den Geprüften Betriebswirt HWO erlangen oder durch den Geprüften Technischen Betriebswirt IHK. Zu empfehlen ist der Betriebswirt der Handwerkskammer dann, wenn du einen Betrieb eröffnen möchtest.

Neben diesen Qualifikationen, stehen dir auch die anderen gleichen Wege offen, wie beim Industriemeister. Wenn du in einem entsprechenden Bereich unterwegs bist, kannst du aber auch den Gebäudeenergieberater HWK machen. Durch diese Qualifikation kannst du Hausbesitzer beraten und darfst Energieausweise ausstellen, die heute jeder braucht.

 

FAZIT:

Sicherlich hast du dir am Anfang des Artikels die Frage gestellt, ob der Handwerksmeister oder der Industriemeister besser ist, oder? Du solltest aber jetzt auch wie ich zu dem Ergebnis gelangt sein, dass jeder der Qualifikationen seine Berechtigung hat und dass es darauf ankommt. Es kommt entscheidend darauf an, wo du beruflich hinmöchtest. Suchst du deine Zukunft im Handwerk ist der Meister im Handwerk auch die erste Wahl. Möchtest du eher in der Industrie Karriere machen, dann solltest du diesen Weg gehen. Ich wünsche dir auf alle Fälle viel Erfolg dabei. Gehe deiner Leidenschaft nach und lass dich nicht abbringen.

 


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7 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

Ergänzend zum Vergleich, Industrie oder Handwerksmeister?
Der Handwerksmeister darf Bürokaufleute ausbilden (Teil 3 der Meisterprüfung), der Industriemeister darf das nicht.

Antworten
Mathias Kraus
14. April 2018 14:28

Allgemein kein schlechter Artikel, allerdings habe ich hier Anmerkung. Den Industriemeister auf die Ebene Bachelor zu stellen macht kein Sinn. Warum ist das so? 1. Man kann ein Industriemeister in einem 16 Wochen Craschkurz machen, dass ist leider zu dem was ein Bachelor leisten muss nicht vergleichbar. 2. Das Akademischesystem und die IHK HWK haben keine Schnittstellen sprich Sie bauen nicht aufeinander auf. Deswegen kann ein Meister sich zum Bachlor anmelden aber nicht zum Master. Soll heißen der Meister ersetzt hier das Abitur.

Man muss sich schlicht weg vorher entscheiden ob Fachhochschule oder Lehre und Meister.

Antworten

    Hallo Mathias,

    ja, der Meister (Industriemeister und Handwerksmeister) ist auf der selben Stufe wie der Bachelor.
    Es geht dabei um die Gleichwertigkeit in beruflicher Hinsicht und das sind sie meiner Meinung nach schon.
    Ein Industriemeister hat ja auch eine Berufsausbildung und Berufserfahrung was ein Bachelor nicht unbedingt
    braucht. Sicherlich kann dadurch ein Meister nicht alles was ein Ingenieur mit Bachelorabschluss kann. Darum geht es auch nicht.
    Aber für das was der Meister ausgebildet ist, ist er auch so gut ausgebildent, wie dies beim Bachlor seinen Bereich der Fall ist.

    Stell dir mal vor der Bachelor währe im Allgemeinen wirklich besser. Dann müsste er auch besser Blumen pflanzen, Brot backen
    usw. sein. Verstehst du was ich meine. Gleichwertig heißt nicht gleichartig. Es heißt nur das die Berufe bzw. Abschlüsse
    in den Bereichen für die sie jeweils ausgebildet wurden gleich sind.

    Du schreibst auch “Man muss sich schlicht weg vorher entscheiden ob Fachhochschule oder Lehre und Meister.”. Das stimmt so nicht.
    Es gibt heute viele Menschen die beide Wege gegangen sind. Es gibt auch jene die nach eine gewissen Zeit ein Studium abbrechen.
    Es sollen sogar 30 Prozent sein. Diese haben dann jenachdem was sie im Studium bereits geschafft haben die Möglichkeit einen
    Meister zu machen. Anrechnungen sind da mittlerweile teilweise auch möglich.

    Antworten
Oliver Lindemann
5. August 2018 10:13

Hallo, habe 1985 die Meisterprüfungslehrgänge 3 + 4 im Handwerk, Berufsfeld Metall abgelegt und bestanden. Frage: Was kann ich heute mit 54 Jahren damit noch anfangen, denn die Zeit ist ziemlich fortgeschritten?
Mfg Oliver

Antworten

    Hallo Oliver,

    die Weiterbildungen sind schon eine Weile her. Die Möglichkeiten
    Aufgrund dieser Qualifizierungen werden sich in Grenzen halten.
    Heute ist es wichtig, dass man sich regelmäßig weiterbildet.
    Zu schnell ändern sich die Gegebenheiten.

    Einen weiteren Punkt welchen du beachten musst ist, ist
    deine Zielsetzung. Karriere, berufliche Weiterbildung etc.
    sind immer auch von den jeweiligen Zielen, welche du
    erreichen möchtest abhängig.

    Viele Grüße
    Josef Altmann

    Antworten

Hallo hätte da mal eine Frage dazu was so die Meinung hier ist.
Ich bin Elektroinstallateur Geselle arbeite mittlerer Weile als Betriebselektriker im Bauhof unserer Stadt also im öffentlichen Dienst jetzt hat mein Dienstherr mich gefragt ob ich mir vorstellen könnte den Meister zu machen was wäre hierbei für mich der bessere Weg soll Instandsetzungs arbeiten an und in den Gebäuden durch führen mit etwas Führungskräfte Verantwortung.

Antworten
    Josef Altmann
    1. Mai 2019 5:21

    Hallo Stefan,

    vielen Dank für deine Frage. Wenn du als Elektroinstallateur arbeitest,
    dann ist der Handwerksmeister in der Regel der bessere Weg. Der Industriemeister
    ist wie es der Name schon sagt, eher auf die Industrie ausgelegt.

    Am besten ist es, wenn du dir die jeweiligen Meister direkt bei den Kammern anschaust.
    Schau einfach mal auf der Website deiner IHK und deiner Handwerkskammer vorbei. In
    der Regel findest du da auch einen Ansprechpartner, der dich kostenlos beraten kann.

    Ich hoffe ich konnte dir helfen.

    Viele Grüße
    Josef Altmann

    Antworten

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